Review "Metal-Observer", 11 Oktober 2001 by Patrick

No Sissy Stuff - Last Poem

Hier haben wir es mal mit einer echt interessanten Band
zu tun. Es handelt sich bei NO SISSY STUFF nämlich um
eine reine Frauen-Band, aber das ist nicht alles. Spielen
die meisten weiblichen Bands doch eher Punk oder
Grunge, bieten die vier Mädels aus Andernach einem ein
ziemlich hartes Metalbrett. Den Stil den sie auf ihrer, so
weit ich weiß, ersten CD "Last Poem" zelebrieren ist
schwer zu beschreiben und ziemlich breit gefächert. Der
Schwerpunkt liegt in meinen Ohren bei einem Mix aus
Thrash- und purem Heavy Metal. Dazu kommen noch die
gelegentlichen Death-Grunts von Bassistin Daniela
Kesselem und die meist cleanen Vocals ihrer Schwester
Birgit (vocals/guitars). Zur Band zählen neben den
beiden noch die dritte Schwester im Bunde, Katja
Kesselem (guitars) und Drummerin Gudrun Schlich.

Hört sich nach einer coolen Mischung an, aber was haben
die einzelnen Songs nun zu bieten?

Der erste Song der Scheibe nennt sich "Painted Black"
und ist eine ziemliche Abgehnummer. Die Band geht hier
recht flott zu Werke, weiß aber auch durch ruhige
Passagen zu gefallen. Der Gesang ist einmal heavy,
einmal angenehm ruhig. Das Stück bietet ne Menge
Abwechslung und bleibt sofort im Ohr hängen, toller
Auftakt. Der Titeltrack "Last Poem" schlägt danach in
eine ähnliche Kerbe. Wieder dominieren schnelles Riffing
und eingängiger Gesang, der auch schon mal etwas rauer
daher kommt. Einwandfreies Stück, man merkt, dass die
Mädels ihre Instrumente nicht erst seit gestern
traktieren. Das folgende "None Of Us" ist dann eine Ecke
langsamer, aber nicht weniger heftig. Irgendwie erinnert
mich die Nummer an MORBID ANGEL. Mit "Empty" folgt
dann in meinen Ohren das beste Stück der Scheibe. Der
Song ist gleichermaßen aggressiv wie auch bezaubernd.
Einmal growlt sich Birgit die Stimmbänder aus dem Hals,
um kurz darauf wieder wunderschön clean zu singen. Die
beste Gesangsleistung auf der ganzen Platte. Genau so
abwechslungsreich ist auch die Musik.

Nummer fünf auf der Tracklist ist dann das recht kurze
"Shining", das ebenfalls recht nett daherkommt.
Allerdings finde ich, dass das Stück im Vergleich zu den
anderen Songs leicht abfällt und etwas untergeht. Der
vorletzte Song "Trains" ist dann aber wieder ein Knaller.
Der Song birgt eine schon fast Power Metallische Melodie.
Ich weiß nicht ob es zu weit hergeholt ist den Song mit
MAIDENs "Revelations" zu vergleichen. Auf jeden Fall ein
toller Song. Der Rausschmeißer "Dark Side" geht auch
mehr in diese Richtung. Die Band geht hier weniger
Thrash-lastig zur Sache als noch bei den ersten
Nummern. Abwechslung wird auch hier groß geschrieben,
gegen Ende wird der Song schon fast balladesk.
Wiederum ein Volltreffer.

So was bleibt nun als Fazit? Die Band hat hier ein klasse
Debüt vorgelegt, das songtechnisch und spielerisch
unbedingt überzeugt. Für eine Band mit wahrscheinlich
nicht so großem Budget und noch keinem Plattendeal
geht der Sound ebenfalls in Ordnung. Die Texte sind
lesenswert und alle im netten Booklet abgedruckt. Wie
gesagt, für ne Band ohne Deal haben NO SISSY STUFF
hier eine echt in allen Belangen professionelle Scheibe
abgeliefert.

Wenn es die hübschen Damen schaffen bis zu ihrem
nächsten Album ihren eigenen Stil noch etwas genauer zu
finden, könnte wohl was großes draus werden. Hoffen
wir, dass sie bald einen Deal bekommen. Für Augen und
Ohren hat die Band auf jeden Fall einiges zu bieten. Wer
es nicht glaubt sollte mal einen Blick auf die ebenfalls sehr
professionelle Band-Homepage werfen. Dort erfahrt ihr
auch wo ihr die Platte erwerben könnt. Schaut mal rein es
lohnt sich.

Anspieltips: "Painted Black", "Empty"...

 

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